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Le nouveau Paris

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Daniel Soutif

Und dann bietet Paris nach wie vor ein wirklich gewaltiges Kulturprogramm an

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Rundgänge nach Lust und Laune

Paris Ile-de-France von...

Daniel Soutif

Paris Ile-de-France von... Daniel Soutif

Und dann bietet Paris nach wie vor ein wirklich gewaltiges Kulturprogramm an

Der Philosoph mit Agrégation und Kunstkritiker Daniel Soutif, Kurator der Ausstellung "Le Siècle du Jazz", erklärt uns, inwieweit diese Musik "der vertraute Sound-Track von Paris" ist.

Inwiefern ist Paris eine Stadt des Jazz?

Jazz ist im Wesentlichen eine städtische Musik, das ist bekannt. Und Paris ist, neben New York, unbestritten eine große Weltstadt der Jazz-Musik. Den Jazz zu lieben bedeutet, in der Lage zu sein, zu improvisieren, um den Begriff von Flüssigkeit, Schnelligkeit, von schneller Reaktion einfließen zu lassen, alles Eigenschaften, die man in den meisten großen Metropolen dieser Welt antrifft, also nichts Besonderes von Paris. Aber der Jazz hat eine Geschichte, etwas Imaginäres, das vor allem auf den Film zurückzuführen ist. Und es ist ganz offensichtlich, dass sich der Jazz durch einen gewissen Pariser Bilderbogen, der von zahleichen Filmen aus den 50er Jahren und dann von der Neuen Welle transportiert wurde, definitiv als vertrauter Sound Track der Stadt durchsetzen konnte. Selbst das Fernsehen konnte an dieser Bewegung mitwirken. Vor Kurzem habe ich einen kleinen Dokumentarfilm von Pierre Dumayet gesehen, aus dem Anfang der 60er Jahre, der aus den Archiven der INA stammt, mit dem Namen "Harlem sur Seine", wo der typische Abend eines afroamerikanischen Sängers geschildert wird, der in Paris lebt. Ein sehr schöner Schwarz-Weiß-Film, in dem es in den Bildern keinen Unterschied zwischen Pigalle und dem Time Square gibt. Und es wirkt nicht künstlich. Der Regisseur fängt in dem Film etwas von den Orten und der damaligen Zeit ein, was vollkommen der Sache entspricht...

Welche Hochburgen des Jazz gibt es in Paris Ile-de-France?

Viele. Der Jazz konnte sich sofort in Paris akklimatisieren und die Stadt hat dieser Musik im Laufe ihrer Entwicklung unaufhörlich einen - immer wieder neuen - Platz geboten. Ursprünglich gab es natürlich das "Le Boeuf sur le Toit", ein Ort, an dem sich die ersten Jazz-Musiker in den 20er Jahren produziert haben. Aber der Jazz ist in Paris ständig weitergewandert. Von den Champs-Élysées zum Montmartre, vom Montparnasse nach Saint-Germain-des-Prés. Die 30er Jahre waren die Zeit der Cabarets mit ausgezeichneten Jazz-Orchestern, die von Afroamerikanern, aber auch von Persönlichkeiten der Antillen geleitet wurden. Der französische Film der damaligen Zeit brachte dies übrigens zum Ausdruck, wie zum Beispiel in Le Roman d'un tricheur von Sacha Guitry oder in L'alibi von Pierre Chenal. Was mich betrifft, so war ich oft in Saint-Germain-des-Prés, noch zu meiner Studentenzeit. Das Viertel wurde stark vom Jazz beeinflusst und konnte mit mythischen Clubs aufwarten, wie dem Le Tabou oder dem Club Saint-Germain. Für jene aus meiner Generation galt das Chat qui pêche, das die Nachfolge antritt. Noch ein Keller. Das Publikum wurde direkt vom Sound eingefangen und hat sich so zu sagen die Nase an den Musikern plattgedrückt ... Aber es gab noch viele andere. Jede Generation von Musikern und Amateuren erfindet immer wieder Orte neu: das Riverboat, Le Requin chagrin, Jazz Unité, Le Petit opportun, Le New Morning... Der Jazz ist keine offizielle Musik, sondern eine Musik, die umherwandert und sich dort niederlässt, wo sie kann, übrigens nicht zwangsläufig, weil es ihr so beliebt, sondern weil es einfach so ist. Sie nistet sich eine Weile irgendwo ein und sieht dann woanders weiter ... In den letzten Jahren war der interessanteste und experimentierfreudigste Jazz sicherlich im Instants chavirés in Montreuil zu hören, ein Vorort unmittelbar vor den Toren von Paris.

Ist Paris immer noch eine inspirierende Stadt?

Mit Sicherheit. Ich bin oft in New York und man kann nicht leugnen, dass dort eine Art Spannung herrscht, die man nirgendwo anders antrifft und die Künstler inspiriert. New York besteht aus verschiedenen Polen, die sich gegenseitig abstoßen, aber auch wieder anziehen. Und dort fließen alle künstlerischen Energien zusammen. Im Vergleich dazu ist Paris eine eher homogene und nicht so "nervöse" Stadt. Trotzdem ist die Metropole Frankreichs eine schnelle Stadt, die sich anpassen kann. Wir brauchen uns nur an das Paris der 70er Jahre zu erinnern und daran, wie das Viertel Beaubourg vor dem Bau des Centre Pompidou war. Oder an den Louvre, bevor er zum schönsten Museum der Welt wurde. Diese Vitalität liegt klar auf der Hand. Und dann ist Paris eine kosmopolitische Metropole, in der alle Farben, alle Gastronomien, alle Sprachen und alle Kulturen vertreten sind und sich vermischen. In diesem Sinne hat sich Paris in den letzten 30 Jahren sehr verändert. Das Klischee des Pariser Einwohners, mit seinem unerträglichen Egotismus, das gibt es nicht mehr. Heute ist in dieser Lebensart eine größere Wärme zu spüren, so dass man manchmal sogar eine gewisse Oberflächlichkeit in den In-Vierteln antreffen kann. Und dann bietet Paris nach wie vor ein wirklich gewaltiges Kulturprogramm an. Paris ist eine Stadt mit einer Quelle, die definitiv nie versiegt.

Was würden Sie empfehlen, sich als Erstes anzusehen, wenn man zum ersten Mal nach Paris Ile-de-France kommt?

Abgesehen von den großen Sehenswürdigkeiten, die wir an dieser Stelle nun wirklich nicht aufzählen brauchen, auf die man aber auf keinen Fall verzichten sollte, würde ich den Leuten raten, die Passagen von Paris zu erkunden. Alle Leser des Philosophen Walter Benjamin wissen bereits um den Charme dieser Orte, an denen man wirklich auf den Geist der Stadt stößt. Dann sind da die Pariser Friedhöfe, über die man spazieren sollte. Der Friedhof von Montparnasse und natürlich der Père-Lachaise, im 20. Arrondissement. Ein wundervoller Ort, an dem man ganz Paris zu seinen Füßen liegen hat und der von allen Balzac-Freunden geliebt wird, denn hier war es, wo Rastignac am Ende des Romans Père Goriot der Stadt seine berühmte Kampfansage stellt: "A nous deux maintenant ! (Und nun zu uns beiden)".


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