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Le nouveau Paris

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David Murray

Die Art und Weise, wie die Pariser Einwohner den Jazz begrüßten, war einzigartig auf der Welt.

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David Murray

Rundgänge nach Lust und Laune

Das Paris Ile-de-France von...

David Murray

Das Paris Ile-de-France von... David Murray

Die Art und Weise, wie die Pariser Einwohner den Jazz begrüßten, war einzigartig auf der Welt.

Als spiritueller Sohn von John Coltrane und Albert Ayler lebt der Saxophonist David Murray seit 12 Jahren im Viertel von Ménilmontant und lässt die historischen Verbindungen von Paris und den großen Musikern des afroamerikanischen Jazz weiterleben.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre ersten Besuche von Paris ?

Ich bin das erste Mal 1976 nach Paris gekommen, als ich 21 war, anlässlich einer Europa-Tournee mit Olu Dara und Philip Wilson. Ich war sofort von der Schönheit dieser Stadt begeistert, aber auch, aus professioneller Sicht, von dem außergewöhnlichen Platz, den diese Stadt dem Jazz einräumt. In der Szene war man sehr aktiv. Es gab in Paris noch viele afroamerikanische Musiker, die sich Anfang der 70er Jahre hier niederließen, aber auch Schriftsteller, wie James Baldwin, den ich bei meinem zweiten Besuch treffen durfte. Zwischen 1976 und 1978 war ich sehr oft in Paris. Die Leute hier sahen in mir den neuen Albert Ayler, obwohl ich in dieser Zeit versuchte, mich von seinem Einfluss zu lösen... Alle waren sehr nett zu mir und ich hatte den Eindruck, wirklich als Musiker wahrgenommen zu werden... Ich hatte in diesen Jahren viele Solo-Auftritte in Paris. Ich erinnere mich, wie ich bei einem Festival zwischen Betty Carter und Archie Shepp aufgetreten bin. Eine ausgesprochen beeindruckende und unvergessliche Erfahrung. Anschließend bin ich sehr regelmäßig mit verschiedenen Gruppierungen zurückgekehrt.

Wo wohnten Sie während Ihrer Aufenthalte ?

Manchmal verbrachte ich bei diesen Tourneen mehrere Monate hintereinander in Paris. Ich wohnte in der Regel in Saint-Germain-des-Prés, in einem für jeden Jazz-Liebhaber mythischen Hotel, La Louisiane, Rue de Seine. Dort ist Dick Twardzik, der Pianist von Chet Baker Mitte der 50er Jahre gestorben. Dort wurde auch ein Teil des Films von Bertrand Tavernier, "Round Midnight", gedreht...

Es gab schon immer eine besondere Verbindung zwischen Paris und der afroamerikanischen Gemeinschaft - und besonders zwischen Paris und Jazz-Musikern. Welches Bild hatten Sie von Paris, bevor Sie die Stadt entdeckten?

Es stimmt. Paris war schon immer eine mit einem Mythos behaftete Stadt für uns ... Aber als ich begann, öfter nach Paris zu kommen, Ende der 70er Jahre, war auch ein gewisses Goldenes Zeitalter zu Ende. Viele amerikanischen Musiker fanden keine Arbeit mehr und spielten mit dem Gedanken, in die USA zurückzukehren ... Es liegt jedoch auf der Hand, dass die Art und Weise, wie die Pariser Einwohner den Jazz begrüßten, einzigartig auf der Welt war. Ab Ende des 1. Weltkriegs fand der Jazz hier Beachtung und die afroamerikanischen Musiker fühlten sich sofort von der Bevölkerung als Menschen akzeptiert. Gott segne die Franzosen für diese Einstellung!

Hat Paris einen direkten Einfluss auf Ihre Musik ?

Das würde ich nicht sagen. Ein Musiker nährt sich von allem, was ihn umgibt ... Und Paris ist sicherlich die schönste Stadt, die ich je in meinem Leben gesehen habe. Ich wohne in Ménilmontant, einem Viertel, das noch populär und sehr herzlich ist, in dem Menschen unterschiedlichster Herkunft leben. Meine Familie fühlt sich dort wohl und diese Ruhe wirkt sich auf meine Kreativität aus ... Und dann ist Paris auch eine Drehscheibe für afrikanische Musik. Ich habe hier viele Musiker aus Afrika oder von den Antillen getroffen, die an manchen meiner Projekte mitgewirkt und unumstritten ihre Sensibilität in meine Musik eingebracht haben.

Gibt es bestimmte Orte, an denen Sie in Paris ganz besonders gerne auftreten ?

Ich spiele gerne auf den Festivals, die im Großraum Paris stattfinden: Die Festivals Banlieues Bleues und Sons d'Hiver zu Beginn des Jahres oder im Parc Floral von Vincennes Ende des Frühjahrs... Die Menschen sind aufnahmebereiter als in den Clubs. Hier trifft sich ein Publikum, das extra gekommen ist, um der Musik zuzuhören. Ich möchte nicht dafür kämpfen, um das, was ich mache, durchzusetzen. Und ich freue mich, wenn die Menschen, die meine Arbeit kennen, mir die Gelegenheit bieten, Projekte zu realisieren, wie zum Beispiel diese Oper, bei der die Poesie von Amiri Baraka im Mittelpunkt steht, "The Sisyphus Revue, A Bop Opera", die ich in Februar 2009 in Vitry-sur-Seine geschast habe. Ein wichtiges Werk für mich, an dem ich seit fast einem Jahr arbeite. Paris ist noch eine Stadt, die einem Künstler solche Gelegenheiten bietet. Ich betrachte mich als Glückspilz, hier leben zu dürfen.


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